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cultură şi spiritualitate

Susanna Partsch: „Wer klaute die Mona Lisa?“

Vom Gentlemandieb keine Spur

Von Eva Hepper

Zu sehen ist das Cover des Buches "Wer klaute die Mona Lisa?" von Susanna Partsch.  (Deutschlandradio / Verlag C.H. Beck)
Gekippte Fenster, ausgeschaltete Alarmanlagen oder Musik, die die Sirenen übertönt: Die Liste der günstigen Gelegenheiten für einen Kunstraub ist lang. (Deutschlandradio / Verlag C.H. Beck)

Von der fehlenden Mona Lisa und dem „Takeaway Rembrandt“ bis zum Juwelenraub im Grünen Gewölbe: Susanna Partsch erzählt kuriose Geschichten rund um die spektakulärsten Kunstdiebstähle. Das ist hochinformativ und komisch zugleich.

Nachdem der Louvre eine ganze Woche lang geschlossen hatte, strömten die Menschen zur Wiedereröffnung besonders zahlreich. In langen Schlangen warteten sie geduldig auf Einlass, aber nicht, um endlich wieder Kunst sehen zu können, sondern um deren Abwesenheit zu erleben. Tatsächlich blickten sie, wo einst der Leonardo gehangen hatte, auf die nackte Wand und vier verwaiste Haken.

Auch Max Brod und Franz Kafka waren unter den Besuchern in diesem September 1911. Letzterer verglich die Anwesenden im Museumssaal gar mit den Jüngern vor dem leeren Grab Christi. Es war ja auch Ungeheuerliches geschehen, als am 21. August 1911 die Mona Lisa direkt aus der Ausstellung gestohlen wurde.  

Wallfahrt zur leeren Wand

Die Tage danach verliefen turbulent, wie Susanna Partsch in ihrem neuen Buch über die berühmtesten Kunstdiebstähle der Welt schildert. Die Münchener Kunsthistorikerin nennt die Wallfahrt zur nackten Wand im Louvre „die erste, wenn auch unfreiwillige konzeptuelle Installation der Kunstgeschichte, vor der das Publikum Blumen ablegte“.

Es sind spannende Geschichten, die Partsch auf mehr als 200 Seiten versammelt hat. Sie erzählt von spektakulären Diebstählen (darunter die Tafeln des Genter Altar, die Volkacher Madonna von Tilman Riemenschneider oder die Saliera von Benvenuto Cellini), von mühevoller Polizei- und Detektivarbeit, von Einzeltätern, kriminellen Netzwerken und Lösegeldforderungen, von Versicherungsdeals, geplatzten und geglückten Übergaben und auch von berühmten Mythen und Legenden.

Geklaute Kunst als Pfand

Zu denen gehört etwa die Erzählung des charmanten Gentlemaneinbrechers oder des millionenschweren Kunstliebhabers, der das geraubte Werk in seinen eigenen vier Wänden genießen will. Tatsächlich sind die Täter heute eher brutal und es geht mitnichten um Genuss, sondern um Geld. So ist die Mafia ein wichtiger Akteur, der die Ware oftmals als Pfand oder Sicherheit einsetzt. Mit zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr liegt Kunstdiebstahl fast gleichauf mit dem Drogenhandel.

Mit Erstaunen liest man, wie schwer sich die Aufklärungsarbeiten bisweilen gestalten – nur 25 Prozent aller Fälle werden gelöst – und wie einfach bisweilen die Raubzüge gelingen. Gekippte Fenster, ausgeschaltete Alarmanlagen oder Musik, die die Sirenen übertönt: Die Liste der günstigen Gelegenheiten und Pannen ist lang.

Starker Stoff, schwach erzählt

So hart die Fakten sind, Partsch weiß dem Verbrechen auch komische Seiten abzugewinnen. Hoch amüsant ist etwa ihr Ranking der Künstler, deren Werke besonders häufig gestohlen wurden (Rembrandt und van Gogh), oder der Bilder, die gleich mehrfach verschwanden. Das kleinformatige Porträt des Jacob de Gheyn III – gestohlen 1966, 1973, 1981 und 1983 – firmiert inzwischen als „Takeaway Rembrandt“.

Ein Manko allerdings hat das fakten- und detailreiche Buch: Zwar ist sein Stoff per se spannend, die Autorin aber keine große Erzählerin. Streckenweise listet Partsch die Fälle eher auf, als dass sie sie mit Leben füllt. Auch aktuelle Zahlen wären an mancher Stelle vonnöten gewesen. Für einen ersten Überblick jedoch, eignet sich das Kompendium bestens.

Susanna Partsch: „Wer klaute die Mona Lisa? Die berühmtesten Kunstdiebstähle der Welt“
C.H. Beck Verlag, München 2021
240 Seiten, 14,95 Euro

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