altmarius

cultură şi spiritualitate

Louis-Ferdinand Céline: „Tod auf Raten“

Kleinbürger, Großschriftsteller, Antisemit

Von Dirk Fuhrig

    
Das Buchcover "Tod auf Raten" von Louis-Ferdinand Céline ist vor einem grafischen Hintergrund zu sehen. (Deutschlandradio / Rowohlt Verlag)
Célines „Tod auf Raten“: ein schauerlich-faszinierendes Dokument der Literaturgeschichte. (Deutschlandradio / Rowohlt Verlag)

Muss man Louis-Ferdinand Célines Texte heute noch lesen? Unter moralischen Gesichtspunkten kann man das bezweifeln. Die radikale, rohe Kraft seiner Sprache aber ist ein Ereignis.

Louis-Ferdinand Céline ist einer der sprachmächtigsten und zugleich problematischsten französischen Schriftsteller. Ende der Dreißigerjahre hat er wüste antisemitische Traktate veröffentlicht, wie die berüchtigten „Bagatelles pour un massacre“.

Nach der Besatzung Frankreichs kollaborierte er mit den Nationalsozialisten, zusammen mit der Vichy-Regierung floh er am Ende des Zweiten Weltkriegs nach Sigmaringen.  

Als vor einigen Jahren sein französischer Verlag die Pamphlete in einer kommentierten Neuauflage herausbringen wollte, musste Gallimard das Projekt wegen massiver Proteste wieder fallen lassen. Die Symbolik einer solchen vermeintlichen verlegerischen Adelung stand dem entgegen.

Auch offizielle Ehrungen des Schriftstellers sorgen bis heute in Frankreich für Polemik. Natürlich sind diese ressentimentgeladenen Texte ebenso leicht im Internet zu finden wie etwa „Mein Kampf“ – die wissenschaftlich erläuterte Edition ist in diesem Frühjahr in Frankreich erschienen.

Radikal und teilweise autobiografisch

Louis-Ferdinand Céline, 1894 nordwestlich von Paris geboren, hieß eigentlich Destouches. Als Pseudonym wählte er den Vornamen seiner Großmutter. Er diente als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg und war später bis zu seinem Tod 1961 als Arzt tätig.

Sein Ruf als einer der schillerndsten, radikalsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts geht vor allem auf zwei Romane zurück, die zeitlich vor den antijüdischen Tiraden entstanden sind: „Die Reise ans Ende der Nacht“ (1932) und dessen Fortsetzung „Mort à crédit“ (1936), die nun in einer Neuübersetzung unter dem Titel „Tod auf Raten“ erschienen ist.

Céline sitzt auf einem Stuhl an einem Fenster, durch das die Schauspielerin Arletty lachend hereinblickt (Imago/Photo12/Luc Fournol)Foto aus dem April 1958: Die Schauspielerin Arletty besucht Céline. (Imago/Photo12/Luc Fournol)

Die beiden Romane sind von autobiografischen Elementen inspiriert, der Protagonist heißt Ferdinand. Im Zentrum von „Tod auf Raten“ stehen dessen Kindheitserlebnisse in Paris.

Der Junge ist ein Herumtreiber, der in der Schule versagt, sich mit falschen Freunden einlässt, von den Eltern immer wieder halbtot geprügelt wird. Die Mutter verkauft Spitzen, die sie in unterwürfiger Geste den Damen der feineren Pariser Gesellschaft andient. Die wirtschaftliche Existenz steht immer kurz vor dem Zusammenbruch. 

Der strenge Geruch des Großstadtproletariats

Die Atmosphäre ist erstickend, erdrückend, von Kleinbürgergeist, Ressentiment und Gewalt geprägt. Die erwachende Sexualität bricht sich in ungezügelter Weise Bahn, ganz gleich ob mit anderen Jungs oder älteren Frauen, gegen Geld oder sonstige Leistungen.

Der Text dünstet Schweiß, Sperma, Kot und Urin aus. Der Gestank monatelang ungewaschener Füße zählt zu den angenehmeren Gerüchen. Nicht nur die expliziten, mitunter fast an die Karikatur grenzenden Beschreibungen menschlicher Ausdünstungen und Triebhaftigkeit hatten die Leser in den Dreißigerjahren schockiert und fasziniert. 

Die „kleine Musik“ der Gossensprache

Céline führte die derbe Gossensprache, das Pariser Argot, in die Literatur ein, diesen rauen, unerbittlichen, auch grotesk-komischen Stil mit seinen unzähligen Wörtern für Geschlechtsteile und Praktiken aller Arten.

Célines Sprache – diese „kleine Musik“, wie er sie selbst nannte – ist atemlos. Seine berühmten Auslassungspunkte, die elliptische Erzählweise, peitschen den Text über fast 800 Seiten voran.

Hinrich Schmidt-Henkel, erfahrener Céline-Übersetzer, hat diese Suada auch diesmal wieder in herausragender Weise ins Deutsche gebracht. Die Masse der schwierig bis gar nicht übersetzbaren Begriff hat er grandios bewältigt. Sein Nachwort ordnet Céline als Autor und Mensch in all seiner ambivalenten Komplexität hervorragend ein.

Literarische Gelbweste

Muss man die Texte eines solchen Berserkers heute noch lesen, gar neu übersetzen? Unter moralischen Gesichtspunkten mag man bezweifeln, ob ein Autor, der sich heutzutage womöglich als Querdenker, Reaktionär oder zumindest literarische „Gelbweste“ in der Öffentlichkeit positionieren würde, wieder ins Gedächtnis gerufen werden muss.

Die radikale, rohe Kraft seiner Sprache, die dem Volk aufs Maul schaut und tief in die Abgründe der französischen Klassengesellschaft der Zwischenkriegszeit blicken lässt, machen seine Romane jedoch zu einem schauerlich-faszinierenden Dokument der Literaturgeschichte.

Louis-Ferdinand Céline: „Tod auf Raten“
Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Rowohlt Verlag, Hamburg 2021
816 Seiten, 38 Euro

Vizualizări: 6

Adaugă un comentariu

Pentru a putea adăuga comentarii trebuie să fii membru al altmarius !

Alătură-te reţelei altmarius

STATISTICI

Free counters!
Din 15 iunie 2009

201 state 

(ultimul: Mauritania)

Numar de steaguri: 263

Record vizitatori:    8,782 (3.04.2011)

Record clickuri:

 16,676 (3.04.2011)

Steaguri lipsa: 41

1 stat are peste 660,000 clickuri (Romania)

1 stat are peste 100.000 clickuri (USA)

1 stat are peste 40,000 clickuri (Moldova)

2 state au peste 20,000  clickuri (Italia,  Germania)

1 stat are peste 10.000 clickuri (Franta)

6 state au peste 5.000 clickuri (Olanda, Belgia, Marea Britanie, Canada, UngariaSpania )

10 state au peste 1,000 clickuri (Polonia, Rusia,  Australia, IrlandaIsraelGreciaElvetia ,  Brazilia, Suedia, Austria)

50 state au peste 100 clickuri

16 state au un click

Website seo score
Powered by WebStatsDomain

DE URMĂRIT

1.EDITURA HOFFMAN

https://www.editurahoffman.ro/

2. EDITURA ISTROS

https://www.muzeulbrailei.ro/editura-istros/

3.EDITURA UNIVERSITATII CUZA - IASI

https://www.editura.uaic.ro/produse/editura/ultimele-aparitii/1

4. PRINTRE CARTI

http://www.printrecarti.ro/

5. ANTICARIAT ALBERT

http://anticariatalbert.com/

6. ANTICARIAT ODIN 

http://anticariat-odin.ro/

7. TARGUL CARTII

http://www.targulcartii.ro/

8. MAGAZINUL DE CARTE

http://www.magazinul-de-carte.ro/

9. ANTICARIAT PLUS

http://www.anticariatplus.ro/

10. CARTEA DE CITIT

http://www.carteadecitit.ro 11. ANTICARIAT ON-LINE
http://www.carti-online.com/

12. ANTICARIATUL DE NOAPTE

 http://www.anticariatuldenoapte.ro/

13. ANTICARIATUL NOU

http://www.anticariatulnou.ro

14. ANTICARIAT NOU

https://anticariatnou.wordpress.com/

15. ANTICARIAT ALEPH

https://www.anticariataleph.ro/

16. ANTIKVARIUM.RO

http://antikvarium.ro

17.ANTIKVARIUS.RO

https://www.antikvarius.ro/

18. EDITURA ARGONAUT

https://www.editura-argonaut.ro/

19.EDITURA MEGA

https://edituramega.ro/

20. TIMBREE

www.timbree.ro

21. FILATELIE

 http://www.romaniastamps.com/

22 MAX

http://romanianstampnews.blogspot.com

23. STAMPWORLD

http://www.stampworld.com

24. LIBMAG

https://www.libmag.ro/oferta-carti-polirom/?utm_source=facebook-ads-7-99-polirom&utm_medium=banner-facebook&utm_campaign=7-99-polirom-facebook&utm_content=new-3

25. DAFFI'S BOOKS

https://www.daffisbooks.ro 26. MAGIA MUNTELUI

http://magiamuntelui.blogspot.com

27. RAZVAN CODRESCU
http://razvan-codrescu.blogspot.ro/

28.RADIO ARHIVE

https://www.facebook.com/RadioArhive/

29.NATIONAL GEOGRAPHIC ROMANIA

https://www.natgeo.ro/revista

30. SA NU UITAM

http://sanuuitam.blogspot.ro/

31. MIRON MANEGA
http://www.certitudinea.o

32. CERTITUDINEA

www.certitudinea.com

Anunturi

Licenţa Creative Commons Această retea este pusă la dispoziţie sub Licenţa Atribuire-Necomercial-FărăModificări 3.0 România Creativ

Note

Hoffman - Jurnalul cărților esențiale

1. Radu Sorescu -  Petre Tutea. Viata si opera

2. Zaharia Stancu  - Jocul cu moartea

3. Mihail Sebastian - Orasul cu salcimi

4. Ioan Slavici - Inchisorile mele

5. Gib Mihaescu -  Donna Alba

6. Liviu Rebreanu - Ion

7. Cella Serghi - Pinza de paianjen

8. Zaharia Stancu -  Descult

9. Henriette Yvonne Stahl - Intre zi si noapte

10.Mihail Sebastian - De doua mii de ani

11. George Calinescu Cartea nuntii

12. Cella Serghi Pe firul de paianjen…

Continuare

Creat de altmariusclassic Dec 23, 2020 at 11:45am. Actualizat ultima dată de altmariusclassic Ian 24.

© 2021   Created by altmarius.   Oferit de

Embleme  |  Raportare eroare  |  Termeni de utilizare a serviciilor