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Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt

Wenn Texte nackt vor einem liegen

Petra Hartlieb und Mona Leitner im Gespräch mit Andrea Gerk

    
ABD0130_20190626 - KLAGENFURT - ÖSTERREICH: Autor Clemens J. Setz am Mittwoch, 26. Juni 2019, anlässlich der Eröffnung der "43. Tage der deutschsprachischen Literatur in Klagenfurt. - FOTO: APA/GERT EGGENBERGER - 20190626_PD6089 | (Gert Eggenberger/APA / picture alliance)
Die Klagenfurter Rede zur Literatur hielt diesmal Clemens J. Setz – mit Gedanken über eine Erzähltheorie des Wrestling (Gert Eggenberger/APA / picture alliance)

Das Bachmann-Wettlesen sei heuer gut gestartet, findet die Autorin Petra Hartlieb. Sie schätzt am jährlichen „Bewerb“ in Klagenfurt, dass es dort um „pure Texte“ gehe. KiWi-Lektorin Mona Leitner widerspricht: Inszenierung spiele eine große Rolle.

Viele nennen ihn liebevoll den „Bewerb“ oder auch den „Betriebsausflug der deutschsprachigen Literaturbranche“ – den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit Autorenlesungen und Live-Kritikerdiskussion, jedes Jahr ausgetragen beim ORF in Klagenfurt sowie auf den Fernsehschirmen treuer Fans in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

„Nachdem ich 20 Jahre hierher fahre, weiß ich so wahnsinnig viele lustige und auch nicht so lustige Geschichten“, erzählt die Wiener Buchhändlerin und Autorin Petra Hartlieb, die hier traditionell ihren Sommerurlaub literarisch beginnt. Es wird gelesen, getratscht und gemeinsam in den Wörthersee gesprungen – für den Literaturbetrieb ein wichtiger Termin, sagt sie.

Breitenwirkung? Eher nicht

„Die Breitenwirkung müssen wir nicht diskutieren“, räumt Hartlieb dennoch ein. Es sei ein Nischenprogramm – in Zeiten des Schauens auf Quote und Massentauglichkeit allerdings eine „wunderbare Nische“.  Sie habe einen Freund, einen Arzt, der sich extra freinimmt. „Der sitzt jetzt zu Hause in Wien in seiner Wohnung und schaut Bachmann-Preis. Das finde ich cool.“

Hartlieb schätzt an dem unzeitgemäßen, vom Quotendruck befreitem Ereignis, dass es um „pure Texte“ gehe: „Ich finde es einfach so wahnsinnig interessant, einen Text, der nackt vor dir liegt, zu bewerten und zu beurteilen.“

„So sehr es nützen kann, kann es auch schaden“

Die KiWi-Lektorin Mona Leitner ist eher ein Bachmann-Neuling. 2017 kam sie zum ersten Mal zum sommerlichen Wettlesen nach Klagenfurt – „mit relativ gemischten Gefühlen, ich hatte eine sehr bizarre Vorstellung davon, ich glaube, weil ich so viele Geschichten gehört habe“.

Dann sei sie aber positiv überrascht gewesen. „Ich hab es als sehr konzentriert empfunden. Mit einer großen Ernsthaftigkeit wird hier über Literatur geredet.“

Der Preis bringe auch Schubkraft für die Gewinner-Autoren, beobachtet die KiWi-Lektorin. 2018 gewann KiWi-Autorin Tanja Maljartschuk den mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis für ihren Text „Frösche im Meer“. „In allen Rezensionen wurde darauf Bezug genommen.“

ABD0054_20190627 - KLAGENFURT - ÖSTERREICH: Die österreichische Autorin Sarah Wipauer am Donnerstag, 27. Juni 2019, während des 1. Tags des Wettlesens um den Ingeborg Bachmann-Preis in Klagenfurt. - FOTO: APA/GERT EGGENBERGER - 20190627_PD2399 | (Gert Eggenberger/APA / picture alliance)Lesen und zerrissen werden vor den Augen und Ohren der Fernsehrepublik – so ist es Tradition beim Bachmann-Preis in Klagenfurt (Gert Eggenberger/APA / picture alliance)

Wenn ein Text hier durchfalle, könne das allerdings ebenso die Rezeption eines Autors beeinflussen: „So sehr es nützen kann, kann es auch schaden“, betonte sie. Leitner würde deswegen „zumindest eine kleine Warnung aussprechen“, wenn ein Autor sich wünscht, dass sein Verlag ihn zum Bachmann-Wettbewerb vorschlägt.

„Es kann unglaublich brutal sein“

Nicht zuletzt deswegen, weil zarte Gemüter von den teils harschen Kritikerurteilen nachhaltig verstört werden könnten. Denn die „Tage der deutschsprachigen Literatur“, so der offizielle Name, sind in den Augen vieler Zuschauer auch eine Art Schlachtfest der Literaturkritik. „Es kann unglaublich brutal sein“, sagt Leitner.

Dazu gehört zum Beispiel der seltsame Brauch, dass die Beurteilten während der Kritikerdiskussion zwar auf der Bühne sitzen bleiben, aber nichts sagen dürfen. „Das ist eine absurde Situation“, findet Leitner. „Aber ich glaube, es würde nicht besser dadurch, dass die Autor*innen darauf antworten dürften. Das ist nicht so richtig deren Aufgabe, die eigenen Texte zu verteidigen, finde ich.“

ABD0057_20190627 - KLAGENFURT - ÖSTERREICH: Die deutsche Autorin Katharina Schultens am Donnerstag, 27. Juni 2019, während des 1. Tags des Wettlesens um den Ingeborg Bachmann-Preis in Klagenfurt. - FOTO: APA/GERT EGGENBERGER - 20190627_PD2449 | (Gert Eggenberger/APA / picture alliance)Wenn die Jury redet, sollen die Autoren schweigen. Katharina Schultens während der Erörterung ihres Texts. (Gert Eggenberger/APA / picture alliance)

Leitner widerspricht Hartliebs Einschätzung, dass es in Klagenfurt um nackte Texte geht. Es gehe zwar einerseits um die Texte, doch die Performance und Inszenierung des Autors zähle ebenfalls sehr viel, sagte sie.

„Ein sehr starker Beginn“

Der aktuelle Jahrgang lasse sich gut an. „Wir hatten schon schlechtere Wettbewerbe. Es war ein sehr starker Beginn“, sagt die Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb. Am ersten Lesetag, dem Donnerstag, seien alle „irgendwie gethrilled“ gewesen. „Ich fand es auch mal schön, dass einen ganzen Tag nur Frauen gelesen haben.“ In Klagenfurt bestimmt das Los über die Lesereihenfolge.

Einen starken Eindruck hinterlassen hat der allererste Text des Wettbewerbs, ein Romanauszug aus Kathrina Schultens‘ „Urmünder“ – nicht nur in der Jurydiskussion, sondern auch bei Hartlieb und Leitner. Schultens‘ geheimnisvoller Text schafft ein unheilvoll anmutendes Geflecht rund ums Motiv Kinder.

(fmay)

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