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cultură şi spiritualitate


Nikolaus Lenau, Ölgemälde von Friedrich Amerling
Signatur Lenaus aus einer Widmung (1833)
Nikolaus Lenau, gemalt von Johann Umlauf, ca. 1844

Nikolaus Lenau, eigentlich Nikolaus Franz Niembsch (seit 1820) Edler von Strehlenau, (* 13. August 1802 in Csatád, Königreich Ungarn; † 22. August 1850 in Oberdöbling) war ein österreichischer spätromantischer Schriftsteller.

Leben

Das 1820 an Lenaus Großvater verliehene Wappen

Lenaus Vater, der habsburgische Beamte Franz Niembsch, war der Spielsucht verfallen. Als er in Budapest im Jahre 1807 gestorben war, ließ er die Familie verarmt zurück. Die Kinder blieben unter der Obhut der Mutter, die sich 1811 wieder verheiratete. Durch den Einsatz ihres Erbes ermöglichte die Mutter dem Sohn Nikolaus, das Piaristengymnasium in Pest zu besuchen. Sein Großvater, der 1820 als "Edler von Strehlenau" geadelte Oberst Joseph Maria Niembsch (1752–1822) holte seine Enkelkinder schließlich aus Ungarn zu sich und finanzierte Nikolaus das Studium.[1] 1822 ging Lenau an die Universität Wien und später nach Pressburg und studierte Philosophie, Landwirtschaft und Medizin.[2] Er konnte sich für keinen Beruf entscheiden und begann schon als Jugendlicher Verse zu schreiben. Nach dem Tod seiner Mutter im Jahre 1829 versank er in Schwermut. Lenaus Melancholie mündete jedoch zwischen 1832 und 1844 in eine kreative Schaffensphase und ein umfangreiches Werk. Eine Erbschaft seiner Großmutter 1830 erlaubte es ihm, sich ganz der Poesie zu widmen. Seine ersten Gedichte waren schon 1827 in der Zeitschrift Aurora des jungen Verlegers Johann Gabriel Seidl erschienen.

Anfang November 1831 kam Lenau nach Heidelberg, um hier die medizinische Doktorprüfung abzulegen. Er wohnte im „König von Portugal“ (Hauptstr. 146). In Heidelberg lernte er Gustav Schwab kennen, der ihm die Veröffentlichung seiner Gedichte bei Cotta vermittelte. 1832 widmete Lenau ihm seinen ersten Gedichtband.[3] In Heidelberg war Lenau Mitbegründer der Burschenschaft Frankonia, die am 13. Dezember 1831 nach anfangs vergeblichen Mühen vom Senat die Zulassung erhielt. Er hatte schon ab 1820 in Wien Kontakt zu Burschenschaftern und muss ihn unmittelbar nach seiner Ankunft in Heidelberg wieder aufgenommen und weiter gepflegt haben. Eine verbotene Burschenschaft, die nach ihrem damaligen Kneiplokal, dem „Goldenen Fäßchen“ (Ingrimstr. 16), den Namen Fäßlianer[4] trug, nahm ihn auf, wovon ein Brief vom 1. Dezember 1831 an Karl Mayer Zeugnis ablegt.

Amerika-Reise und schriftstellerischer Erfolg

Nach einer Fehlspekulation an der Börse, bei der er die Hälfte seines großen Erbes verlor, und wohl auch inspiriert durch überschwängliche Reisebeschreibungen Nordamerikas[5] beschloss Lenau, sich selbst in die USA einzuschiffen, Land zu kaufen und Pächter für sich arbeiten zu lassen: „Ich will meine Phantasie in die Schule – in die nordamerikanischen Urwälder schicken […]“.[6] Am 27. Juli 1832 brach Lenau auf dem Ostindienfahrer Baron von der Kapellen von Amsterdam aus auf. Aufgrund einer Kollision vor der holländischen Küste bei Texel verzögerte sich die Überfahrt. Er landete erst am 8. Oktober 1832 in Baltimore, wo er nur zehn Tage blieb. Kurze Zeit lebte er in Bedford, Pennsylvania und machte auf seinem weiteren Weg nach Pittsburgh Station in Old Economy, Pennsylvania (heute Harmony, PA, nicht zu verwechseln mit der späteren frühsozialistischen Kommune New Harmony in Indiana). Der deutsche Pietist und Asket Johann Georg Rapp hatte in Old Economy seit 1805 mit etwa 700 Anhängern eine Gütergemeinschaft gegründet, war allerdings schon 1814 weiter gezogen nach Indiana, weil die Ländereien in Ohio wenig tauglich waren für den Obstanbau. Gleichwohl blieb Old Economy auch nach dem Verkauf (1815) Anziehungspunkt für Künstler und Schriftsteller.

Lenau kaufte in Crawford County/Ohio 400 Morgen Land, um das er sich allerdings in der Folge bis zu seinem Tod nur noch widerwillig kümmerte.[7] Ziel Lenaus waren die Niagarafälle, die den Romantiker in der Tat sehr beeindruckten (Gedichte Niagara, Die drei Indianer). Das Leben in Amerika und der dort herrschende Materialismus enttäuschten ihn jedoch. Vermutlich im April/Mai 1833 schiffte er sich von New York City aus auf einem Segler ein und reiste zurück nach Europa. Er sprach später abfällig vom „englischen Talergelispel“ und bezeichnete die Vereinigten Staaten nach seiner Rückkehr nach Deutschland gegenüber seinem Freund Justinus Kerner als „verschweinte Staaten von Amerika“.[8] Ferdinand KürnbergersRoman Der Amerika-Müde (1855) thematisiert u. a. Lenaus Enttäuschung über Amerika, ist aber nicht dokumentarisch. Vielmehr schöpfte Kürnberger aus zeitgenössischen Reisebeschreibungen.[9] Angekommen in Bremen, stellte Lenau fest, dass er in seiner Abwesenheit zu einem gefeierten Dichter geworden war. In Wolfgang Menzels Literatur-Blatt wurden ihm Lorbeerkränze geflochten.[8] Von nun an lebte er wechselweise in Stuttgart und Wien. 1836 erschien seine Fassung des Faust, im nächsten Jahr Savonarola, ein episches Werk, in dem Freiheit von politischer und geistiger Tyrannei als wesentliches Merkmal des Christentums dargestellt wird. Seine Neueren Gedichte, die 1838 erschienen, sind zum Teil von seiner hoffnungslosen Leidenschaft für Sophie von Löwenthal, geborene von Kleyle (1810–1889), die Frau eines Freundes, geprägt. 1842 erschienen Die Albigenser, und 1844 begann er mit der Niederschrift seines Don Juan, woraus ein Fragment nach seinem Tod erschien. Im selben Jahr verfiel er nach einem Schlaganfall in zunehmende geistige Umnachtung, wurde im Oktober 1844 in die Nervenheilanstalt Winnental im Schloss Winnental bei Stuttgart eingeliefert[10] und im Mai 1847 in die Pflegestätte des Dr. Görgen in Oberdöbling bei Wien verlegt, wo er noch drei Jahre bis zu seinem Tod verbrachte.

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Weidling in Niederösterreich.[11]

Bedeutung

Lenau ist der größte lyrische Dichter Österreichs im 19. Jahrhundert und in der deutschen Literatur der typische Vertreter des Weltschmerzes. Der Begriff war von Jean Paul geprägt worden und sollte seinen Höhepunkt mit Giacomo Leopardi erreichen.

Lenau ist ein wichtiger Repräsentant des Biedermeier und ein Naturlyriker von hohem Rang (Schilflieder, Waldlieder). Zur deutschen Literatur trägt Lenau einen einzigartigen, melancholischen Ton bei, der sich durch weite Teile seiner Dichtung zieht. Zahlreiche seiner Dichtungen wurden vertont, unter anderem von Robert Schumann, Fanny Hensel, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt, Hugo Wolf, Richard Strauss, Othmar Schoeck und Richard Sahla. Lenaus Faust inspirierte Franz Liszt zu mehreren symphonischen Dichtungen (Der Tanz in der Dorfschenke, Der nächtliche Zug, Mephisto-Walzer). Richard Strauss folgt Lenaus Don Juan-Fragment in seiner symphonischen Dichtung Don Juan.

Die Erstausgabe der Sämtlichen Werke von Lenau wurde 1855 von Anastasius Grün aufgelegt. Von 1989 bis 2004 erschienen die Werke und Briefe Nikolaus Lenaus in einer siebenbändigen historisch-kritischen Edition.

Werke

Erstausgabe von Faust. Ein Gedicht
  • Nächtliche Wanderung. 1830.
  • Die Heideschenke.
  • Winternacht. 1848.
  • Der Unbeständige. 1822.
  • Abschied. Lied eines Auswanderers. 1823.
  • Die drei Indianer. 1834.
  • Schilflieder. 1832.
  • Polenlieder. 1835.
  • Faust. Ein Gedicht. 1836
  • Savonarola. 1837.
  • Stimme des Kindes. 1838.
  • In der Neujahrsnacht. 1840.
  • Die Drei. 1842.
  • Die Albigenser. 1842.
  • Waldlieder. 1843.
  • Blick in den Strom. 1844.
  • Eitel nichts! 1844.
  • Don Juan (Fragment), 1844.
  • Der Postillion 1835.
  • Bitte. 1832.
  • Einsamkeit (Hast du schon je dich ganz allein gefunden).
  • An die Entfernte (Diese Rose pflück ich hier).
  • Cimbal und Harfe. ausgewählte Gedichte, Hans Maria Loew (Hrsg.), Bergland Verlag, Wien 1957.

Ehrungen

Grabmal von Nikolaus Lenau im Friedhof Weidling

Sein Ruf als Dichter spiegelt sich in der Benennung vieler Straßen und Gassen nach ihm, so beispielsweise in Wien-Josefstadt, Perchtoldsdorf, Leipzig, Gotha, Graz, Salzburg, Stadl-Paura, Guntramsdorf, Pinkafeld, München Duisburg sowie in Karlsfeld, bzw. Karlsruhe, Frankfurt am Main, Mannheim, Berlin im Stadtteil Neuköllnund Berlin-Lichtenrade, in Heilbronn, Lünen und in Winnenden. In Winnenden gibt es im Schloss Winnenthal, der ehemaligen Heilanstalt Winnenthal, eine Lenau-Gedenkstätte (Zugang über das Schloss-Café). In Köln-Ehrenfeld befindet sich der Lenauplatz. Nikolaus Lenau war einer der berühmtesten Patienten des heutigen Zentrums für Psychiatrie in Winnenden. Es gibt mehrere nach Nikolaus Lenau benannte Schulen, z. B. das deutschsprachige Nikolaus Lenau Lyzeum in Timișoara, Rumänien, die Volks- und Sonderschule in Gmunden in Österreich, und die Lenau-Grundschule in Berlin-Kreuzberg; außerdem gibt es in Pécs (Ungarn) ein ungarndeutsches Kulturzentrum mit dem Namen Lenau Haus.

Für die niederösterreichische Stadt Stockerau ist Nikolaus Lenau von besonderer Bedeutung. In seiner Jugend war der Dichter von 1818 bis 1821, hauptsächlich in den Ferien, bei seinen Großeltern in Stockerau, die sich auch „Lenau-Stadt“ nennt. Durch die Gründung der Internationalen Lenau-Gesellschaft (1964) und die Eröffnung des „Internationalen Lenau-Archives“ (1968) entstand hier ein Zentrum der Lenau-Forschung. Im Museum Stockerau wurde ihm eine Gedenkecke eingerichtet. Die größte posthume Ehre wurde ihm 1926 mit der Umbenennung seines heute in Rumänien liegenden Geburtsortes Csadát in Lenauheim zuteil. Nikolaus Lenau ist eine Identifikationsgestalt der Banater Schwaben.

Der am 21. August 1987 von Eric Walter Elst entdeckte Asteroid 7400 Lenau wurde nach dem Dichter benannt.

Ihm ist eine Oper des Schweizer Komponisten Heinz Holliger gewidmet mit dem anagrammatischen Titel Lunea (uraufgeführt 2018 in Zürich)[12].

 
 

Trivia

Der Name der Protagonistin Lene Nimptsch in dem Roman Irrungen, Wirrungen von Theodor Fontane spielt auf Nikolaus Franz Niembsch, Edler von Strehlenau, also Nikolaus Lenau an. Die Romanfigur hatte den Nachnamen Nimptsch von der Adoptivmutter übernommen.

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