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cultură şi spiritualitate


Richard-Wagner-Festspielhaus 2016
Logo der Bayreuther Festspiele
Dirigenten und Bühnenkünstler in Bayreuth um die Jahrhundertwende

Die Bayreuther Festspiele oder Richard-Wagner-Festspiele sind ein Musiktheaterfestival, das den zehn letzten Opern Richard Wagners (1813–1883) gewidmet ist. Das Festival findet seit 1876 mit Unterbrechungen, seit 1951 alljährlich im eigens dafür vom Komponisten gemeinsam mit dem Architekten Otto Brückwald(1841–1917) geschaffenen Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth statt. Die Festspiele dauern in der Regel vom 25. Juli bis 28. August.

Leiterin ist Katharina Wagner, als Musikdirektor fungiert Christian Thielemann.

Zeitliche Übersicht

  • 13. bis 17. August 1876: die ersten Bayreuther Festspiele
  • 1882 bis 1914:
21 Festspiel-Jahrgänge (davon 1882 noch unter Beteiligung Richard Wagners), danach kriegs- und inflationsbedingte Unterbrechung
In zwölf Jahren fanden keine Festspiele statt: 1885, 1887, 1890, 1893, 1895, 1898, 1900, 1903, 1905, 1907, 1910, 1913
  • 1924 bis 1944:
17 Festspiel-Jahrgänge
vier Jahre ohne Festspiele: 1926, 1929, 1932, 1935
  • Von 1876 bis 1944 fanden insgesamt 39 Festspiele statt.
  • 1945 bis 1950: Ausfall aus politischen und finanziellen Gründen (sechs Jahre). Bis dahin gab es seit 1876 insgesamt 27 Jahre ohne Festspiele.
  • Seit 1951: Unterbrechungsfreie jährliche Durchführung (50. Nachkriegs-Festspiele: 2000)
  • 2011 fanden die 100. Bayreuther Festspiele statt[1]

Geschichte bis 1944

Festspielplakat 1938 von Jupp Wiertz

Richard Wagner wünschte sich ein Theater, an dem er als Komponist, Textdichter, Dramaturg und Intendant seine Vorstellungen vom Gesamtkunstwerk verwirklichen konnte. Dieses sollte sich abseits der Metropolen – ohne Ablenkung und ohne die Kompromisse eines Repertoirebetriebs – voll und ganz der Darbietung seiner Werke widmen können. 1871 entschied er sich für Bayreuth als Standort. Anfang Februar 1872 gründete er den Verwaltungsrat der Festspiele, Vorsitzender wurde der örtliche Bankier Friedrich Feustel.[2] Zur Finanzierung der von ihm auf 300.000 Taler geschätzten Kosten für den Bau eines Festspielhauses und die erste Saison gründete Wagner einen Patronatsverein, der unter der Leitung von Marie Gräfin von Schleinitz, einer Freundin seiner Frau Cosima Wagner, Anteilsscheine für jeweils 300 Taler ausgab. Der Käufer erhielt einen Sitzplatz für drei zyklische Aufführungen des Rings. Dies gilt als Erfindung des Fundraisings.[3] Weitere Vereine gründeten sich in verschiedenen deutschen Städten. Jedoch konnten bis Frühjahr 1873 nur 340 Patronatsscheine abgegeben werden. Das Richtfest des Festspielhauses fand im Oktober 1873 statt, noch bevor die Finanzierung gesichert war. Anfang 1874 drohte die Einstellung des Baus wegen fehlender Finanzmittel, woraufhin König Ludwig II. von Bayern aus freundschaftlicher Verbundenheit mit Wagner ein Darlehen über 100.000 Taler aus seinem Privatvermögen zur Verfügung stellte.

Die Auswertung der Archive ergab, dass, wie auch in anderen Opernhäusern Juden im laufenden Theaterbetrieb diskriminiert wurden. „Aber der erbittert judenfeindliche ideologische Rahmen, den Wagner selbst, seine Frau Cosima oder ihr Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain lieferten, den gab es woanders nicht. Dieses klare jüdische Feindbild gab es nur in Bayreuth,“ fasste Hannes Heer 2012 seine Forschung zusammen.[4] Dennoch traten viele bedeutende jüdische Künstler regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen auf, etwa der Münchner Hofkapellmeister Hermann Levi als Dirigent der Parsifal-Uraufführung 1882, auf dem sowohl Wagner wie König Ludwig II. gegen Anfeindungen von anderer Seite bestanden, oder der österreichisch-amerikanische Bassbariton Friedrich Schorr. Schorr war von 1925 bis 1931 als Wotan, Hans Sachs und Holländer engagiert. Eine enge künstlerische Zusammenarbeit verband Richard Wagner zudem mit dem deutsch-jüdischen Opernimpresario Angelo Neumann, der Wagners Ring-Inszenierung von 1876 in den Originalkulissen der Bayreuther Festspiele auf Theatertourneen durch ganz Europa bekannt machte. Die Inszenierungen hielten sich bis zum Zweiten Weltkrieg weitgehend an die Regieanweisungen im Originaltext und prägten eine Aufführungspraxis, die auch auf andere Opernhäuser stilbildend wirkte.[5]

Richard Wagner

Die ersten Festspiele begannen am 13. August 1876; sie boten die Uraufführung des kompletten Rings des Nibelungen an drei Tagen und einem Vorabend. Zu den Gästen gehörten Franz Liszt, Anton Bruckner, Karl Klindworth, Camille Saint-Saëns, Peter Tschaikowski, Edvard Grieg, Lew Tolstoi, Paul Lindau, Friedrich Nietzsche und Gottfried Semper, ferner Kaiser Wilhelm I., Kaiser Pedro II. von Brasilien und König Karl von Württemberg. König Ludwig II. hatte vom 6. bis zum 9. August die Generalproben besucht und kam zum dritten und letzten Aufführungszyklus nochmals nach Bayreuth, wobei er sich allen öffentlichen Huldigungen entzog.

Der künstlerische Erfolg der Aufführungen wurde durch einige bühnentechnische Pannen beeinträchtigt. Wegen des finanziellen Misserfolgs – es verblieben Schulden in Höhe von 148.000 Mark – konnten die nächsten Festspiele erst 1882 (mit der Uraufführung des Parsifal) ausgerichtet werden. Wie er in einem Brief an Ludwig II. schrieb, beabsichtigte Wagner, im Festspielhaus auch seine anderen Werke nach und nach „in der Weise aufzuführen, dass diese Aufführungen als Muster der Korrektheit meiner nächsten Nachwelt überliefert werden können“. Wenige Monate darauf starb der Komponist. Bis kurz vor seinem Tod trug er sich mit dem Gedanken, seinen Tannhäuser sowie den Fliegenden Holländer umzuarbeiten, um sie „bayreuthwürdig“ zu machen. Eine Aufführung seiner Frühwerke (Das Liebesverbot, Die Feen, Rienzi) untersagte er zwar nicht, bekundete aber auch kein Interesse daran. Bis heute ist es in Bayreuth üblich, nur die zehn Hauptwerke vom Fliegenden Holländer bis zum Parsifal zu spielen.

Cosima Wagner

Wagner hat selbst keinen Nachfolger für die Leitung der Festspiele bestimmt. Nach seinem überraschenden Tod wurden sie von seiner Witwe Cosima fortgeführt und fanden zunächst unregelmäßig statt. Immer wieder musste aus wirtschaftlichen Gründen – der Festspielbetrieb war ein reines Privatunternehmen der Familie Wagner – pausiert werden, um finanzielle Engpässe zu überwinden. Auch war die Publikumsnachfrage nicht immer ausreichend, teilweise wurde vor nur mäßig gefülltem Haus gespielt. Nach Wagners Tod 1883 hatte Adolf von Groß, ein Freund der Familie Wagner, die Finanzverwaltung übernommen und eine „strikte Ausgabendisziplin“ eingeführt. So konnten die Festspiele allmählich finanziell gesichert werden. Die Kredite aus dem Privatvermögen des bayerischen Königshauses wurden von der Familie Wagner noch bis 1906 zurückgezahlt.

Siegfried Wagner

Patronatsschein der Deutschen Festspiel-Stiftung vom 22. Mai 1922
Bayreuther Festspielhaus um 1900

Die Festspiele selbst entwickelten sich im Wechsel zwischen künstlerischer Stagnation und Innovation. Cosima Wagner, die ab 1886 selbst Regie führte, hatte eine strenge Vorstellung von Werktreue. 1908 übergab sie auf dringenden Rat ihrer Ärzte die Leitung der Festspiele ihrem Sohn Siegfried Wagner, der schrittweise eine Modernisierung der Aufführungen ermöglichte. Der Erste Weltkrieg erzwang 1914 einen Abbruch der laufenden Saison; die Rückerstattung gelöster Karten verursachte ein hohes Defizit, so dass erst 1924 wieder Festspiele durchgeführt werden konnten. 1921 nahm eine neue Deutsche Festspiel-Stiftung mehr als fünf Millionen Mark aus dem Verkauf von Patronatsscheinen ein. Die Inflation der Jahre 1921/22 entwertete dieses Vermögen jedoch, so dass erst nach zehnjähriger Pause, am 22. Juli 1924, die Festspiele unter Leitung von Siegfried Wagner wieder eröffnet werden konnten. Die Meistersinger-Premiere geriet zu einer unverhohlen nationalistischen Veranstaltung; unter den Gästen waren Erich Ludendorff und Heinrich Claß. Der Schlussapplaus nach dem III. Akt mündete in das vom Publikum stehend gesungene Deutschlandlied. Die Festspielleitung sah sich dadurch zu einem Aufruf genötigt, dass solche Bekundungen zu unterbleiben hätten.

In seinem Testament von 1929 legte Siegfried Wagner fest, dass die Festspiele dauerhaft in der Verantwortung der Familie Wagner liegen sollen und dort nur die Werke seines Vaters in Bayreuth aufgeführt werden dürfen: „Das Festspielhaus darf nicht veräußert werden. Es soll stets den Zwecken, für die es sein Erbauer bestimmt hat, dienstbar gemacht werden, einzig also der festlichen Aufführung der Werke Richard Wagners.“ Würden diese Auflagen nicht erfüllt, so sollte das Festspielhaus an die Stadt Bayreuth fallen, die ihrerseits an die letztgenannte Auflage gebunden wäre.[6] Ob die Verfügung bezüglich des Ausschlusses anderer Werke noch bindend ist, wurde wiederholt – auch von Familienmitgliedern – diskutiert.

Winifred Wagner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Problematisch waren die Festspiele zu Anfang der 1930er Jahre: 1930 starb Siegfried Wagner erst 61-jährig an einem während der Probenzeit erlittenen Herzinfarkt. Die Festspiele wurden nun von seiner Witwe Winifred Wagner übernommen. Unterdessen kam es zwischen dem neu verpflichteten Dirigenten Arturo Toscanini und den beiden anderen Dirigenten der Jahre 1930 und 1931, Karl Muck und Wilhelm Furtwängler, immer wieder zu Spannungen und Eifersüchteleien. Toscanini widerrief kurz vor Beginn der Proben für die Festspiele des Jahres 1933 seine Zusage, da nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland eine ausländer- und vor allem judenfeindliche Stimmung herrschte.[7]

Joseph Goebbels (links) und Werner von Blomberg (zweiter von rechts) während einer Pause bei den Bayreuther Festspielen 1937

Die Nähe Winifred Wagners zu Reichskanzler Adolf Hitler stellte sicher, dass die Festspiele ab 1933 staatlich finanziert und aller Sorgen enthoben waren.[3] Sie trug aber auch wesentlich dazu bei, dass Wagner (laut dem Literaturwissenschaftler Hans Mayer) im Jahr 1945 „an der Kulturbörse unter Null gehandelt“ wurde.[8] Thomas Mann bezeichnete Bayreuth als Hitlers Hoftheater.[9]

Hitler hatte Bayreuth zuletzt 1940 besucht. Ab diesem Zeitpunkt wurden auf Anordnung Hitlers sogenannte „Kriegsfestspiele“ durchgeführt. Die NS-Organisation Kraft durch Freude mit ihrer Abteilung „Urlaub und Reisen“ übernahm den Kartenverkauf. Leiter dieser Abteilung war Bodo Lafferentz, der 1943 durch seine Heirat mit Verena Wagner Winifreds Schwiegersohn wurde. Lafferentz übernahm die Zuteilung der Karten, die vor allem verwundete Soldaten mit ihrem Pflegepersonal sowie Rüstungsarbeiter erhielten. Ab 1941 wurden die Festspiele immer stärker durch den Krieg beeinflusst. Da in der ersten Festspielwoche 1941 bereits ab etwa 21 Uhr totale Verdunkelung angeordnet war, begannen die Aufführungen schon kurz nach Mittag. 1944 standen nur noch die Meistersinger von Nürnberg auf dem Programm. Die letzte der zwölf Aufführungen des Jahres fand am 9. August statt. Es war die vorletzte Opernaufführung überhaupt im Dritten Reich[10], die letzte war die öffentliche Generalprobe der Liebe der Danae von Richard Strauss im Salzburger Festspielhaus am 16. August 1944.[11]

Nachkriegsgeschichte – „Neubayreuth“

Im Rahmen der Entnazifizierung konzentrierte sich das Verfahren vor der Spruchkammer Bayreuth ausschließlich auf die Person Winifred Wagners, anstatt die Verstrickungen des gesamten Festspielbetriebs zu untersuchen. Winifred wurde in der Berufungsinstanz als „Mitläuferin“ eingestuft, und nachdem sie rechtsverbindlich zugunsten ihrer Söhne Wieland und Wolfgang Wagner auf die Leitung der Festspiele verzichtet hatte, nur mit geringen Auflagen belegt, die für sie keine größeren und für die Neugründung der Festspiele durch ihre beiden Söhne Wieland und Wolfgang keinerlei Einschränkungen darstellten.[12] So war der Weg frei für die Wiederaufnahme der Festspiele.

1949 wurde die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth gegründet, die sich zum Ziel setzte, Geldspenden zur Durchführung der Festspiele einzuwerben. Bereits an Pfingsten 1950 standen 400.000 DM bereit.[13] Bis heute hat die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth Spenden in Höhe von 60 Millionen Euro zugunsten der Bayreuther Festspiele geleistet.

Bei diesem Neuanfang lag die gemeinsame künstlerische und organisatorische Leitung den Enkeln des Festspielgründers, Wieland und Wolfgang Wagner. Ihnen gelang es, jährliche Festspiele – mit meist einer Neuinszenierung pro Saison – zu etablieren. Die ersten Nachkriegsfestspiele begannen am 30. Juli 1951 mit einer vielbeachteten Inszenierung des Parsifaldurch Wieland Wagner.

Spielplan

Auf dem Spielplan steht seither traditionell eine wechselnde Auswahl aus den Hauptwerken Richard Wagners: Der fliegende Holländer, Tannhäuser, Lohengrin, Der Ring des Nibelungen (mit den vier Teilen Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung), Tristan und Isolde, Die Meistersinger von Nürnberg und Parsifal.

Gelegentlich wurde auch Beethovens neunte Sinfonie im Festspielhaus aufgeführt. Richard Wagner selbst hatte dieses Werk am 22. Mai 1872 im Markgräflichen Opernhaus dirigiert, aus Anlass der Grundsteinlegung für das Festspielhaus. Im Rahmen der Festspiele erklang die neunte Sinfonie unter Leitung von Richard Strauss (1933), Wilhelm Furtwängler (1951, 1954), Paul Hindemith (1953), Karl Böhm (1963) und Christian Thielemann (2001). Zum 100. Todestag von Richard Wagners Schwiegervater Franz Liszt wurde 1986 dessen Faust-Sinfonie aufgeführt.

Inszenierungen und Beteiligte

Verschiedentlich gingen neue Impulse für Oper und Musiktheater von Bayreuth aus, so ab 1951 durch die Inszenierungen von Wieland Wagner, der mit seiner radikalen „Entrümpelung“ der Bühne einen ästhetischen Neuanfang wagte, der stilbildend bis in die 1970er Jahre wirkte. 1976 ereignete sich in der Ring-Inszenierung von Patrice Chéreau zum 100-jährigen Jubiläum der Festspiele (sogenannter Jahrhundertring) erneut eine umfassende stilistische Veränderung und Erneuerung, die zunächst auch heftige Verstörung und Proteste hervorrief, später aber als richtungweisend und künstlerisch überragend anerkannt wurde.

Musikalisch gelten die Festspielaufführungen – insbesondere bezogen auf Chor und Orchester – als weltweit außerordentlich, was auch mit der architektonischen und akustischen Besonderheit des Gebäudes (s. a. mystischer Abgrund) zu tun hat. Die Solisten werden für die jeweilige Saison eingeladen, wobei in den Anfangsjahren die Ehre der Einladung und die darauf folgenden Aufträge die Tatsache kompensierten, dass die Künstler in der Regel weit unterhalb ihrer Normalverdienste bezahlt wurden. Astrid Varnay wird zitiert mit den Worten: „In Bayreuth wird gearbeitet, das Geld verdienen wir woanders.“ Dieser Grundsatz geht auf Richard Wagner selbst zurück, der erklärte: „Die Sänger und Musiker erhalten von mir nur Entschädigungen, keine Bezahlung. Wer nicht aus Ehre und Enthusiasmus zu mir kommt, den lasse ich wo er ist.“[14] Dieser Grundsatz wurde in den folgenden Jahrzehnten aufgeweicht, so dass „kein Künstler alleine Neubayreuth zuliebe auf eine gerechte Entlohnung verzichtet“ (Michael Karbaum).[15] Machten Anfang der 1950er Jahre die Personalkosten noch knapp unter 50 % des Gesamtetats aus, wurden in den 1970er Jahren 78–80 % für Gehälter und Gagen ausgegeben, was den Maßstäben anderer großer Bühnen oder Festspiele entspricht.[16]

Vorstellungen und Besucher[

Zuschauerraum des Festspielhauses
Festspielatmosphäre

Jährlich finden bis zu 32 Aufführungen im Bayreuther Festspielhaus statt. Die Vorstellungen beginnen, wie zur Zeit Richard Wagners, bereits am Nachmittag, zwischen den Aufzügen gibt es einstündige Pausen[17], die wegen der Dauer und Komplexität von Wagners Werken durchaus angemessen erscheinen und inzwischen auch an anderen Theatern für Wagner-Aufführungen eingeführt wurden.

Über Jahrzehnte waren die 30 Vorstellungen lange im Voraus ausverkauft. Sie können von ca. 58.000 Zuschauern gesehen werden. Dieser Zahl gegenüber stand in manchen Jahren eine Nachfrage von bis zu 500.000 Kartenbestellungen, so dass mit Wartezeiten von zehn und mehr Jahren gerechnet werden musste. In der Folge entwickelte sich ein Schwarzmarkt mit Festspieltickets, dem wiederum durch personalisierte Eintrittskarten und Kontrollen begegnet werden sollte. Für die Meistersinger von Nürnberg des Jahres 1996 ist der Zorn Wolfgang Wagners über einen Kartenverkauf zum Zehnfachen des Normalpreises überliefert.[17] Diese intransparente Entwicklung war das Resultat der Kartenvergabepraxis der Wagner-Familie, zumindest bis zum Ende der Ära Wolfgang Wagner: Niemand wusste, wie viele reguläre Karten in den freien Verkauf gingen und wie viele Günstlinge, Sponsoren und Freundeskreise auf der Zuteilungsliste der Festspielleitung standen. Unklar blieb damit auch, wer wirklich die Aufführungen besuchte oder die zugeteilten Karten gewinnbringend weiterverkaufte.[18]

2011 wurde bekannt, dass nur rund 40 % der Karten in den freien Verkauf kamen, die Mehrheit war in Form von Kontingenten besonderen Zielgruppen zum Kauf angeboten worden. Der größte Empfänger war mit 14.000 Karten jährlich die Mäzenatenvereinigung Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, von der die Festspiele jedes Jahr mit Spenden in Höhe von bis zu drei Millionen Euro unterstützt wurden. Weitere Kontingente von Kaufkarten wurden Firmensponsoren, der Stadt Bayreuth, dem Bezirk Oberfranken und der Bayerischen Staatskanzlei zur Verfügung gestellt. Wagner-Freundeskreise und Musikerorganisationen wurden genauso berücksichtigt wie Journalisten (1000 kostenlose Pressekarten zuzüglich eines gesonderten Kontingents für den Bayerischen Rundfunk). Reiseveranstalter erhielten ebenfalls Kartenzuteilungen, die sie zu Paketen mit Unterkunft und Gastronomie bündelten. Der Bundesrechnungshof kam 2011 zum Ergebnis, dass die Vergabe dieser Kontingente „mit den Förderzielen des Bundes unvereinbar“ sei.[19]

Als Reaktion auf die Kritik beendeten die Festspiele 2012 zunächst die Tradition, ursprünglich zwei, ab 2010 eine Vorstellung exklusiv für Mitglieder des DGB Bayern vergünstigt anzubieten, um dessen Verdienste für die Neubegründung der Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg zu würdigen. Die Karten für diese Vorstellungen waren laut Medienberichten in der Vergangenheit in besonders hohem Maß auf dem Schwarzmarkt angeboten worden, so dass die eigentliche Zielgruppe nur bedingt erreicht wurde.[20] 2012 wurde die Kartenvergabe vollkommen neu geregelt: Ab 2012 kamen ca. 65 % der Karten in den freien Verkauf, weshalb der Richard-Wagner-Verband wie auch alle 138 Wagner-Verbände keine Kontingente mehr erhielt. Auch Reisebüros bekamen keine Eintrittskarten mehr.[21][22] Weiterhin bevorzugt behandelt wird aber die Mäzenatenvereinigung Gesellschaft der Freunde von Bayreuth.[23] Folge dieser Veränderungen war jedoch, dass inzwischen die Nachfrage nach Karten für die Bayreuther Festspiele stark zurückgegangen ist. 2016 waren selbst am Tag vor der Premiere noch nicht alle Vorstellungen ausverkauft. Leere Plätze bei einigen Vorstellungen waren bereits in den Jahren zuvor verschiedentlich aufgefallen.

Der reguläre Eintrittskartenpreis liegt im Jahr 2016 zwischen 30 und 320 Euro (Plätze mit Sichteinschränkung für 25 und 10 Euro).[24] Im Verhältnis zur allgemein hohen künstlerischen Qualität gelten die Preise, auch verglichen mit anderen Festivals, als äußerst maßvoll. Lange Zeit galt die Mitgliedschaft bei den Freunden von Bayreuth, die mit weiteren Kosten (hoher Mitgliedsbeitrag und erwünschte Spenden) verbunden war, als sichere Möglichkeit, um überhaupt regelmäßigen Zugang zu Eintrittskarten zu bekommen.[17] Auf dem Schwarzmarkt wurden Aufschläge von bis zu 700 % auf den regulären Eintrittspreis bezahlt.[25] Ab der Saison 2017 werden für die Premierenvorstellungen der jeweiligen Neuproduktion 25 % des Kartenkategorienpreises auf den zu zahlenden Kartenpreis aufgeschlagen, bei den restlichen Vorstellungen der Neuproduktion werden 15 % des Kartenkategorienpreises auf den finalen Kartenpreis aufgeschlagen. Für die Wiederaufnahmen gelten die alten Preiskategorien.[26]

Inzwischen werden für einen Teil der Vorstellungen auch online Eintrittskarten verkauft, in der Saison 2013 zunächst für eine Vorstellung, die in wenigen Minuten ausverkauft war. Seit 2014 werden Kartenkontingente online verkauft, die zunächst nach kürzester Zeit vergriffen waren.[27] Der Richard-Wagner-Verband vergibt jährlich Stipendien, vornehmlich um Studierenden einen unentgeltlichen Besuch der Aufführungen zu ermöglichen. Auch damit wird versucht, der Idealvorstellung Richard Wagners, jedem ernsthaft Interessierten ungeachtet seiner finanziellen Möglichkeiten den Besuch der Festspiele zu ermöglichen, gerecht zu werden.

Organisation

Träger des Bayreuther Festspielhauses ist seit 1973 die Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth. Stiftungsmitglieder sind die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth, die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, die Bayerische Landesstiftung, die Oberfrankenstiftung, der Bezirk Oberfranken und Mitglieder der Familie Wagner. Geschäftsführer des Stiftungsrates ist der Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth (derzeit Brigitte Merk-Erbe). Die Festspiele werden seit 1986 von der Bayreuther Festspiele GmbH durchgeführt. Der Etat der Festspiele beträgt 16 Millionen Euro pro Jahr (Stand: 2012).[28] Der Bund, das Land Bayern und die Stadt Bayreuth bezuschussen den Festspielbetrieb jährlich mit sieben Millionen Euro,[25] der Anteil der Stadt wurde 2016 von 1 Million auf 1,11 Millionen Euro heraufgesetzt.[29]

Katharina Wagner (l.) und Eva Wagner-Pasquier (r.) bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2009

Künstlerischer Leiter der Festspiele war seit der Wiedereröffnung 1951 (bis 1966 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland) Wolfgang Wagner. In den 1990er und 2000er Jahren mehrten sich die Stimmen, die (auch über die Medien) den Rücktritt des Festspielleiters zugunsten verschiedener möglicher Nachfolger (darunter Nike Wagner, Eva Wagner-Pasquier und Wieland Lafferentz oder auch Gudrun Wagner und Katharina Wagner) forderten. 2001 fiel die Entscheidung des Stiftungsrats entgegen dem Willen Wolfgang Wagners zugunsten von Eva Wagner-Pasquier, die jedoch kurze Zeit nach der Wahl auf das Amt verzichtete, da sich Wolfgang Wagner auf seinen Vertrag auf Lebenszeit berief und seinen Posten nicht freiwillig aufgeben wollte. Nach dem plötzlichen Tod von Gudrun Wagner – der Ehefrau und persönlichen Mitarbeiterin Wolfgang Wagners – und angesichts des hohen Alters des Festspielleiters wurde die Nachfolgefrage im November 2007 wieder aktuell. Im April 2008 brachte dann Wolfgang Wagner selbst eine Nachfolgelösung, bestehend aus seinen beiden Töchtern, ins Gespräch und kündigte seinen Rücktritt an, falls der Stiftungsrat sich für die Halbschwestern Eva und Katharina als gemeinsames Leitungsteam der Bayreuther Festspiele aussprechen würde.

Nachdem sowohl Katharina Wagner als auch Eva Wagner-Pasquier ihre Bereitschaft zur Kooperation signalisiert hatten[30], erklärte Wagner in einem Brief an den Stiftungsrat, zum 31. August 2008 sein Amt als Festspielleiter niederzulegen.[31] Eine Woche vor Ablauf der Bewerbungsfrist und dem Zusammentreten des Stiftungsrates zur Neubesetzung am 1. September 2008 bewarb sich auch Nike Wagner, die Leitung der Festspiele gemeinsam mit dem renommierten Kulturmanager Gerard Mortier zu übernehmen. Der Stiftungsrat wählte in dieser Sitzung die beiden Töchter Wolfgang Wagners, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, zu neuen Leiterinnen der Bayreuther Festspiele.

Christian Thielemann, seit 2015 Musikdirektor der Bayreuther Festspiele

Nach dem Auslaufen ihres Vertrags von 2008 ist Eva Wagner-Pasquier mit Ende der Saison 2015 aus der Leitung ausgeschieden. Seitdem führt Katharina Wagner die Festspiele allein. Ihr zur Seite stand bis Ende 2015 Heinz-Dieter Sense als Geschäftsführer der Festspiele GmbH, seit 2016 Holger von Berg in gleicher Funktion.[32] Am 29. Juni 2015 wurde bekannt, dass Christian Thielemann bereits am 15. März 2015 und mit Wirkung bis zum Jahre 2020 zum Musikdirektor der Bayreuther Festspiele berufen wurde, eine Position, die es bislang noch nicht gab.[33] Bereits seit 2010 war Thielemann musikalischer Berater der Festspielleitung und soll in dieser neuen Position seine Erfahrungen weitergeben und sich grundsätzlich mit allen musikalischen Belangen des Hauses befassen.[34]Bei einer Pressekonferenz der Festspiele am 25. Juli 2015 wurde bekannt, dass hierbei Thielemanns Aufgaben seien, das Klangbild der Bayreuther Festspiele mit zu prägen, die Orchesterbesetzung auszuwählen und einen Stamm von Assistenten aufzubauen. Zudem soll er in dieser Funktion die Künstlerische Geschäftsleitung beraten und international Solisten besorgen.[35][36

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